Kathrin Weßling: „Drüberleben“

drüberINFOS
Format: eBook
Preis: 7,99 €
Gibt’s hier zu leihen: eBücherhallen Hamburg

INHALT
Ida steht zum wiederholten Mal in ihrem Leben vor der Tür einer psychiatrischen Klinik, mit einem Zettel, auf dem ihr Name und der Grund für ihren Aufenthalt genannt sind. F 32.2. Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome. „Drüberleben“ erzählt von den Tagen nach diesem Tag, von den Nächten, in denen die Monster im Kopf und unter dem Bett wüten, den Momenten, in denen jeder Gedanke ein neuer Einschlag im Krisengebiet ist. Es erzählt von Gruppen, die merkwürdige Namen tragen, von Kaffee in ungesund großen Mengen, von Rückschlägen und kleinen Fortschritten, von Mitpatienten und von Therapeuten. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die sich zehn Wochen in eine Klinik begibt und dort lernt zu kämpfen. Gegen die Angst und gegen das Tiefdruckgebiet im Kopf.

PERSÖNLICHES FAZIT
Ganz großes Kino! Harte Kost. Da muss man erstmal schlucken, tief ein- und ausatmen und kurz innehalten, wenn man dieses Buch zur Seite legt. Egal, ob man nur eine Pause macht, aus der Bahn steigen muss, schlafen muss oder das Buch beendet hat. Kathrin Weßling schreibt über ein Thema, welches meiner Meinung nach ein ganz großes unserer heutigen Gesellschaft ist: Depressionen. Immer alles geben. Immer der/die Beste sein wollen. Immer gefallen wollen. Immer alles erreichen wollen. Immer zufrieden stellen wollen. Immer am Limit. Dabei vergessen wir, zu leben. Dabei werden wir krank. Dabei machen wir uns selbst kaputt. Es ist mutig und richtig, zu erkennen, wenn man Hilfe braucht, um aus diesem schwarzen Loch, in das man gefallen ist, wieder herauszukommen. Sei es durch Gespräche mit der Familie und Freunden oder durch Gespräche mit einem Therapeuten. Schämen sollte man sich dafür nicht. Verstecken davor auch nicht. Wenn wir schlimme Rückenschmerzen haben, gehen wir zum Arzt. Warum also nicht auch, wenn wir ein Loch im Herzen haben oder nicht mehr weiter wissen? „Drüberleben“ ist sehr gut geschrieben, lässt uns an den Gedanken und Gefühlen der Protagonistin Ida teilhaben und auch etwas über das eigene Leben nachdenken. In den ein oder anderen Beschreibungen hat sich sicher jeder schon einmal wiedergefunden.

Wer mehr von Kathrin Weßling lesen möchte, kann dies hier (Blog) und hier (Facebook).

„[…] du kannst nächtelang darüber reden, wann es passiert ist, wann es noch mal passiert ist, dass du dich so furchtbar erschrocken hast vor der Welt, vor den Menschen, vor diesem Unfall, vor diesem einen Moment, dass du seitdem ständig das Gefühl hast, nicht mehr richtig gehen zu können, […] nicht mehr beschützt zu sein, nichts mehr einfach so machen zu können […]. Du kannst immerzu und an jedem Ort darüber sprechen, kannst Worte erbrechen, kannst behaupten und vermuten, kannst laut denken und leise sprechen, kannst es flüstern und kannst einfach deinen Mund nicht halten, aber niemals wird dir jemand sagen können, warum du, genau du in diesem Moment einfach nicht mehr funktionierst […].“
(S. 8 f.)

„Kümmere dich hier um dich. Nur um dich. Was die anderen machen und sagen, ist egal.“
(S. 84)

„Zu begreifen ist: Wenn du es nicht schaffst, die fehlerhaften, die fehlenden Dinge deines Lebens zu überwinden, dann wirst du bis zum Ende deiner Tage im Schlamm deiner eigenen Haltlosigkeit wühlen, dann wirst du darin ersticken, versprochen und auf Wiedersehen.“
(S. 131)

„<Freunde sind ein kostbares Gut, das muss man behüten wie einen Schatz – damit sie bleiben.>“
(S. 201)

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